Hohe Begabung und Verhaltensauffälligkeit

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Anne-Catherine Ewen, BSc, und Dr. Letizia Gauck vom Zentrum für Entwicklungs- und Persönlichkeitspsychologie der Universität Basel erläutern in ihrem Artikel (news&science. Begabtenförderung und Begabtenforschung Nr. 44, 2017/2) die sogenannte „twice exceptionality“, also eine doppelte Außergewöhnlichkeit.

Hochbegabte Kindern machen manchmal eine asynchrone Entwicklung durch (sind also intellektuell reifer als emotional) oder sind schlicht unterfordert. Das kann zu Verhaltensauffälligkeiten führen, die  leicht als Hinweis auf AD(H)S (Aufmerksamkeits-Defizit (und Hyperaktivitäts)-Syndrom) oder Autismus fehlgedeutet werden.

Andererseits ist es hochbegabten Kindern, die AD(H)S oder Autismus haben, oft möglich, ihre Schwierigkeiten durch ihre Begabung zu kompensieren. Dies führt dazu, dass sie einerseits trotz hoher Intelligenz durchschnittliche Leistungen erbringen und sich andererseits trotz ihrer Schwierigkeiten weitgehend unauffällig verhalten. Somit ist es möglich, dass beide Phänomene übersehen werden. In diesem Fall können die Kinder ihr volles Potential nicht ausschöpfen und bekommen die benötigte Unterstützung nicht.

So ergeben sich zwischen hoher Begabung und Autismus-Spektrum-Störungen einige Überschneidungen:

  • Ausgezeichnetes Gedächtnis
  • Großer Wortschatz
  • Besorgt um Gerechtigkeit
  • Mühe mit Veränderungen
  • Ungewöhnlicher Humor
  • Hypersensitivität
  • Asynchrone, unausgewogene Entwicklung
  • Starke Fokussierung auf eigene Interessensgebiete

Jedoch zeigen autistische Kinder weniger sozial-adaptive Fähigkeiten und eine stärkere Detailfokussierung als hochbegabte. Schwieriger kann die Diagnose bei hochbegabten autistischen Kindern sein. In diesem Fall sind Defizite in den sozial-adaptiven Fähigkeiten gegenüber neurotypischen hochbegabten Kindern feststellbar.

Ob hochbegabt oder nicht, Kinder mit Autismus profitieren meist von einer Reduktion der Außenreize, Rückzugsmöglichkeiten und festen Strukturen. Somit werden ihre Stärken nicht weiterhin von der Kompensation der Schwächen gebunden, sondern können besser genutzt werden.

Hochbegabung kann auch leicht zu AD(H)S ähnelndem Verhalten führen, wie etwa Unaufmerksamkeit oder Nichtbeachtung von Regeln. Besonders bei AD(H)S können die Stärken eines hochbegabten Kindes die Schwierigkeiten jedoch kompensieren, sodass beides nicht erkannt wird.

Zuletzt wird auch das Thema Depressionen und Hochbegabung erwähnt. Dabei sind besonders begabte Kinder nicht häufiger betroffen als normalbegabte. Eine Verwechslung von Depression und Hochbegabung ist nicht möglich, jedoch können Hochbegabte Depressionen (noch) besser verstecken. Zudem können schlechte Passung der Anforderungen im Unterricht oder die verfrüht ausgebildete Fähigkeit zu existenzialistischen und selbstreflektierenden Gedanken Depressionen fördern. Hier helfen zumeist dieselben Interventionen wie bei normalbegabten Kindern.

In jedem Fall gilt, dass eine vollständige und genaue Diagnostik notwendig ist. Es ist für das betroffene Kind und seine Umgebung hilfreich, das Verhalten verstehen zu können. Wichtig ist es jedenfalls, den Fokus von „Was hat das Kind?“ auf „Was braucht das Kind?“ zu ändern, damit die notwendigen Maßnahmen ergriffen werden können. Dann können die Kinder ihre Stärken einsetzen, alternative Verhaltensweisen einüben und mit ihren Schwächen umgehen lernen.

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